Archiv der Kategorie: Ein Pferd namens Tari

Die Rettung – mit einer guten Portion Wunder; Teil 4 von “Ein Pferd namens Tari”

Es herrschte eine eigenartige Stimmung auf dem Gestüt. Fast täglich wurden nun Pferde abgeholt, die Stallungen leerten sich und es wurde immer geisterhafter und verlassener.

Der Heu mümmelnde Epi/Tari muss sich gedacht haben: Was war das mit dieser Frau? Es wird alles gut hatte sie ihm zugeflüstert – und dann war sie weg.

Aber er war ja noch da und auch Eskimo, sein kleiner Kollege mit den komischen Hinterbeinchen, die allerdings schon gar nicht mehr so komisch waren durch das Stehen und Bewegen auf härterem Untergrund. Es wird alles gut??? Weiterlesen

Am Ende seiner Kräfte – Teil 3 von “Ein Pferd namens Tari”

Tari – alias Epi Favory Elfes – lag im Stroh zwischen seinen Hengstfohlenkumpels. Er mochte nicht mehr aufstehen, er konnte nicht mehr. Zu schwach – am Ende seiner Kräfte.

Es war der erste Samstag im April 1015 und es waren Leute auf dem Gestüt, die Pferde freikaufen wollten. Hektik brach aus – ein sterbendes Fohlen, ganz schlecht. Epi war dazu auch noch eines der am besten geratenen Hengstfohlen dieses Jahrgangs gewesen.

Der Chef konnte davon überzeugt werden, den Tierarzt zu holen. Eines war klar, wenn Epi irgendeine Überlebenschance haben sollte, musste er separat aufgestallt werden. Damit er fressen konnte, wann immer er mochte und sich nicht noch gegen stärkere Kollegen durchsetzen musste, um ans Heu zu kommen. Weiterlesen

Lipizzaner in Not – Teil 2 von “Ein Pferd namens Tari”

Tari stand also mit seinen Hengstfohlenkumpels in der grossen Laufhalle und mümmelte am harten Heu. (Um zu lesen was vorher geschah klick hier.)

Auch er spürte den eisigen Hauch des Todes, der die ganze riesige Anlage umspielte.

Aus der Traum – alles muss weg

Das Zentrum “des Elfes Blancs” war für viel Geld gebaut worden mit dem Ziel Pferdesport der Weltklasse, Zucht und Reitunterricht unter ein Dach zu bringen. Die ersten Jahre lief es gut, der eine Teilhaber wurde auch Meister im Gespannfahren. Aber dann fing es an zu bröckeln, ein Partner stieg aus und nun,  2013 war sie amtlich besiegelt, die Insolvenz. Die grosse Anlage sollte neue Besitzer finden, es gab Pläne für einen Golfplatz – und die über 300 Pferde mussten weg.

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Die Geburt eines Elfenprinzen – Teil 1 von “Ein Pferd namens Tari”

Das braune Hengstfohlen mit der schmalen Blesse und den drei weiss gestiefelten Beinen gleitet ins saftige Gras. Seine weisse Mutter Rebecca begrüsst ihren neugeborenen Sohn mit einem leisen Blubbern und gemeinsam schälen sie ihn aus der Fruchtblase.

Eine Stunde später – nach einigen Versuchen, die mit einem unsanften Plumps ins Gras geendet hatten – tragen seine überlangen staksigen Beine ihn zum ersten mal erfolgreich zur Milchquelle zwischen den Hinterbeinen von Rebecca. Er ist ihr achtes Fohlen – Rebecca ist eine erfahrene Zuchtstute.

Königliche Lipizzaner – innerlich

Eine stolze Lipizzaner-Stute ist Rebecca vor allem in ihrem Wesen. Ihr Körper ist mager und ausgemergelt. Der kleine Hengst labt sich an dem warmen Kolostrum, der ersten Milch, die ihn mit Abwehrstoffen vesorgt und dabei hilft, die Verdauungstätigkeit in Gang zu setzen. Dann ist er sofort wieder sehr müde, die Beinchen zittern vor Anstrengung und so lässt er sich wieder ins Gras fallen.

Auf derselben Weide stehen noch viele andere Zuchtstuten, die meisten auch Lipizzaner und bis auf eine Braune sind alle Schimmel und viele schneeweiss. Einige haben viele kleine braune Tupfen – das sind die sogenannten Fliegenschimmel. Die rund 20 Fohlen springen lustig herum. Sie sind schon etwas älter als der kleine Hengst, der später Tari gerufen werden wird. Sie haben ihre langen Beine bereits bestens im Griff, sind braun, schwarz und fuchsfarbig in allen Schattierungen. Erst später werden die meisten mit jedem Haarwechsel etwas heller werden und schliesslich auch weiss wie ihre Mütter und Väter. Sie spielen und rennen um ihre Mütter herum wenn sie nicht gerade lang ausgestreckt im saftigen Frühlingsgras Südfrankreichs schlafen oder mit trinken oder fressen beschäftigt sind.

Die Idylle trügt

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