Ain’t no sunshine oder wenn Pferde Lieder haben

Einige meiner Pferde haben Lieder – sie haben sie natürlich nicht und sie singen sie auch nicht selbst, aber die Lieder tauchen irgendwann ganz unvermittelt auf und mir ist klar: Dieses Lied verbindet uns, wirklich und für immer.

Bei Tari ist es Ain’t no sunshine when he’s gone von Patricia Kaas. Lied hören

Dieses Lied beschreibt perfekt die Leidenschaft und meine Stimmung in den Wochen, in denen ich noch nicht wusste, ob er es schaffen wird und falls ja, ob es einen Weg geben würde, dass wir unser Leben gemeinsam würden führen können.

Erste Begegnung und sein Zauber

Ich habe sein Gesicht zum ersten Mal in Südfrankreich, auf dem Gestüt “des Elfes Blancs” gesehen, als wir dort waren um einen Jährling für unsere Praktikantin Andrea zu kaufen. Das Gestüt war insolvent und die meisten Pferde in nicht so fabelhaftem Zustand. Das wusste ich.

Dann stiegen wir nach 12 stündiger Fahrt aus dem Auto und ich ging als erstes den Boxenstall entlang. Da standen zuerst die Zuchthengste, die ich ja schon von den Bildern her kannte. Und dann – ein Gesicht, das mich auf den ersten Blick tief berührte, ja bezauberte. Erklären kann man sowas ja nicht – ich fühlte Adel und Kraft und Weisheit. Dann schaute ich in die Box hinein und das Blut stockte mir in den Adern. Ich sah einen völlig abgemagerten Körper, am linken Hinterbein eine grossflächige Wunde, oben beim Knie, geschwollen und er hielt das Bein irgendwie seltsam abgedreht. Schluck.

Was nun?

Danach ging es um vieles andere, die Mädels schauten nach den für sie passenden Pferden. Am nächsten Tag sahen wir IHN wieder diesmal draussen auf dem Roundpen zusammen mit einem anderen Sorgenkind, Eskimo, das mit seinen scheinbar missgebildeten Hinterbeinchen fast noch hoffnungsloser erschien.

Ich habe gefragt, ob es nicht möglich wäre, ihn zu bekommen, ich würde ihn mitnehmen und versuchen, ihn gesund zu pflegen. Nix da, war die Antwort, erstens kostet er genau gleichviel wie die anderen Jährlinge und zweitens ist er nicht transportfähig, er würde die lange Fahrt nicht überstehen.

Wir fuhren also ohne ihn. Epi Favory Elfes hiess er, wie wir mittlerweile wussten. Ich hatte ihn kein einziges Mal physisch berührt, aber ich hatte ihm versprochen, dass ich alles tun würde für ihn, was in meiner Macht stünde. Und ich habe ihm sogar gesagt, dass alles gut würde…

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Ich konnte ihn nicht einfach auch noch kaufen. Mein Budget war mehr als ausgeschöpft, hatte ich doch schon mehr Pferde bezahlt als vorgesehen – aber das ist eine andere Geschichte.

Ich dachte täglich, was sag ich stündlich an IHN. Versuchte, irgendeine Lösung für ihn zu finden, es müsste ja nicht bei mir sein, aber es bräuchte Sachverstand um ihn gesund zu pflegen, das war mir klar. Nur Liebe allein war da zuwenig. In der offiziellen Vermittlung war er gar nicht mehr drin, alle Fotos gelöscht… Ich versuchte, eine Unterkunft in der Nähe des Gestüts zu finden wo er erst mal gepäppelt werden könnte. Alle meine Versuche blieben erfolglos  – und es blieb ja das Problem mit dem Kaufpreis.

So blöd bin ich nun auch nicht – oder doch?

Es quälte mich auch die Tatsache, dass ich es eine Frechheit fand für ein Tier in diesem Zustand noch 1500 Euro zu verlangen. Klar bin ich verrückt, aber doch nicht völlig auf den Kopf gefallen, dachte ich mir. Gottseidank war klar, dass der Besitzer den ganzen Betrieb wirklich auflöst, es war schon bei unserem Besuch der Hauch der Geisterstadt über den vielen leeren Stallungen gelegen. Also er würde nicht einfach ein anderes Pferd dafür “züchten”. Trotzdem, wenn Epi nun dort sterben würde, würde er ja auch kein Geld für ihn bekommen.

Irgendwann dämmerte mir, dass meine Gedanken zwar sehr logisch waren, aber dass – sollte Tari (also Epi wie er damals noch hiess) dort zugrunde gehen, es diesem Besitzer wohl deutlich weniger ausmachen würde als mir. Ich würde leiden – er nicht.

Loslassen und geschenkt bekommen

Trotzdem versuchte ich, ihn loszulassen – in Meditationen, in inneren Gesprächen. Dann passierte das unglaubliche. Natürlich hatte ich meinen Freundinnen von ihm erzählt. Und unabhängig voneinander bekam ich drei (3!) Angebote von finanzieller Unterstützung wenn ich ihn kaufen würde.

Nun gab es kein Halten mehr – vom Gestüt her wurde mir versichert, dass er in zwei drei Wochen transportfähig sein würde.  Auf dem Bild oben ist er bereits transportfähig, den Zustand drei Wochen vorher habe ich nicht fotografiert… ausser in meinem Kopf.

Heute, 7 Monate später verzaubert er mich immernoch jeden Tag – so kommt es also dass ich Ain’t no sunshine singe beim misten und möglicherweise der weltglücklichste pferdeäpfelzusammenkratzende Mensch bin. “I know i should leave the young thing alone” – und da kam er dann erst recht.

Was für ein Wunder. Mittlerweise heisst er Tari und er wird ein wunderbarer grosser starker Lipizzaner werden. Seit einer Woche ist nun das linke Sprunggelenk auch fast nicht mehr geschwollen. Juhuu!

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