Unsere Reise zu den Elfenpferden – Teil 2

Andrea’s Suche nach ihrem Pferd

Jetzt wo also klar war, dass Emeraude nicht zurückbleiben würde, auch wenn Andrea sich nicht für sie erwärmen konnte, ging die Suche nach dem Pferd los – ihrem Pferd!

Michelle und Andrea sahen sich um – von den kleinen Hengsten waren noch am meisten Pferde da. Sie setzten sich zu den Stuten, dann zu den Hengsten, gingen herum. Was für eine unglaublich schwierige Entscheidung.

Andrea setzte sich hinten an der Wand der Halle auf einen Querbalken bei den kleinen E-Hengsten und beobachtete und wartete. Ich hielt mich ausserhalb, wollte nicht stören. Wie lange sie da so sass, kann ich nicht sagen, eine ganze lange Weile jedenfalls. Immerwieder gingen die “üblichen Verdächtigen” zu Andrea hin, es gab einige Hengstlein, die weniger scheu waren und die Besucher gerne abschnüffelten. Expresso zum Beispiel.

Die meisten ruhten oder frassen am grossen Heuballen in der Mitte. Plötzlich löste sich ein relativ kleiner hellbrauner Hengst mit heller Mähne aus der Truppe und ging in schnurgerader Linie auf Andrea zu. Immer nur einige Schritte, dann stoppte er wieder und sah sie weiter an. So ging er bis auf ca. 3 Meter zu ihr, dann blieb er endgültig stehen und sie sahen sich lange gegenseitig an.

Ich ging aus der Halle – ich war berührt, dachte, hoffentlich nimmt sie den – wollte aber auf ihre Entscheidung keinen Einfluss nehmen. Ca. eine Stunde später kam Andrea zu mir und sagte, ich habe ihn gefunden, komm ich zeig ihn Dir. Und sie zeigte mir ebendiesen zuckersüssen kleinen Easy. Ich war mir absolut sicher, dass er der Richtige war.

Andrea und ich setzten uns hin und schrieben eine Vereinbarung, dass ich ihn erstmal bezahlen würde, sie mir die Kaufsumme aber innerhalb eines Jahres zurückzahlen würde.

Aufbruch in ein neues Leben

Michelle fand ihren wunderschönen grossen Electron, Epi konnten wir nicht mitnehmen, weil er nicht transportfähig war – diese Geschichte kannst du hier lesen.

Eigentlich hätten wir nochmals übernachten wollen und dann am nächsten Tag frühmorgens losfahren mit unserer wertvollen Fracht, aber nun wurde uns gesagt, dass sich andere Besucher angekündigt hätten für die Nacht und die Betten gebraucht würden. So entschieden wir uns, die Nacht durchzufahren.

Erst musste noch der bürokratische Teil erledigt werden. Dann packten wir unserer sieben Sachen. Andreas Vater fuhr schon mal den Anhänger zum Stall, ich holte das Gepäck…

Die ausgesuchten Pferde wurden durch einen Gang aus Pannels in den Anhänger getrieben, gottseidank kam ich erst am Schluss dazu. Alle gingen rein, nur meine kleine Emeraude nicht. Wie ein Holzbock stand sie da. Schliesslich haben die drei Männer sie quasi in den  Anhänger reingeworfen und die Klappe geschlossen, obwohl sie noch nicht ganz drin stand. Mir blieb fast das Herz stehen, als ich ihre kleinen Hufe über der Wand auftauchen sah.

Aber sie rappelte sich auf und die fünf, Electron, Easy, Emeraude, Eltanin und Endora drückten sich nahe zusammen. Da hätten noch mal einige so kleine Pferdchen reingepasst. Und ich hatte mir Sorgen gemacht um den Platz im Hänger.

Endora hatte sofort vom ersten Augenblick an das Sagen, sie war der ruhende Pol. War ich froh, sie dabeizuhaben.

Die Fahrt zum riesigen roten Mond

Wir fuhren sofort los, es rumpelte ein wenig, wieherte einmal und dann war Ruhe an Deck. Andreas Vater und ich wechselten uns ab und wir fuhren die Nacht durch. Am Horizont erschien ein riesiger blutroter Mond, genau vor uns – ich hatte so etwas noch nie gesehen.

Wunderschön! Wir nahmen es als gutes Omen.

Die Pferde standen absolut ruhig, jedesmal wenn wir reinguckten, hatten sie sich ein wenig neu sortiert, blieben aber ganz nahe beieinander und gaben sich wohl körperlich und psychisch gegenseitigen Halt.

Die letzte Stunde war die schwierigste, weil wir keine Autobahn mehr hatten und durch die elsässischen Dörfer kurven mussten. Emeraude war am Ende ihrer Kräfte und legte sich hin. Ich hatte Angst – um ihre Beinchen, weil die anderen drauftreten könnten – und überhaupt.

Um 7 Uhr morgens fuhren wir den Anhänger rückwärts in die für die Pferdchen vorbereitete abgegraste Weide mit Unterstand und Reitplatz hinein, so dass sie einfach nur aussteigen konnten.

Alle kamen raus, Emeraude blieb liegen. Ich berührte sie, rüttelte an ihr, keine Reaktion zuerst. Oh mein Gott! Dann aber plötzlich sprang sie auf und rannte den anderen hinterher. Keine Spur von Lahmheit, gott seis gepriesen. Wir waren alle erledigt, waren einfach nur froh, alle heil hier hin gebracht zu haben.

Anfassen liess sich ausser Endora noch keiner der vier. Erstmal vor allem Füttern und bald Entwurmen.

Um 9 kamen mein lieber Mann und unsere Tochter relativ missgelaunt – ich hatte ein Pferd zuviel mitgebracht. Und dann in diesem Zustand? Ich schwor, dass aus Emeraude eine wunderschöne charakterstarke Stute werden würde. Der Familiensegen hing noch eine zeitlang schief.

Schon am zweiten Tag schlich sich mein Liebster von schräg hinten an die Heu fressende Emeraude heran, kraulte sie zart auf der Kruppe, schaute mich triumphierend an und sagte: So geht das! Wenn das keine Freundschaft werden wird;-)

Andrea verbrachte grösstenteils glückliche Tage mit den kleine Lipizzanern. Allerdings war sie traurig, dass sie Easy noch nicht streicheln konnte.

Dann Ende April kam wieder einer von Andreas Zusammenbrüchen. Sie hatte ja seit sie 12 gewesen war, den überwiegenden Teil ihrer Zeit in Kliniken verbracht. War vollgepumpt mit Psychopharmaka und auch abhängig von Schlafmitteln. Ein erneuter Aufenthalt in einer Psychiatrischen Klinik war leider unumgänglich. Es sollte das letzte mal sein, dass sie Easy gesehen hat.

Ende August hat sich Andrea in der Klinik das Leben genommen. Easy war nicht genug Halt für sie gewesen auf der Erde. Wir auch nicht. Leider. Dennoch war Andrea sehr dankbar für Alles. Dafür, dass wir sie aufgenommen hatten und auch für die Erlebnisse, die sie mit den Pferden und ihrem Easy hatte. Die Verbindung, die sie zu ihm gespürt hatte. Wir waren bis am Schluss in Kontakt, schriftlich und telefonisch, und ihre letzte Nachricht an mich war, dass sie am Dienstag gerne kommen würde und einen Spaziergang mit Easy machen. Dieser Spaziergang hat nicht mehr stattgefunden.

Der Schock war gross.

Trotzdem bin ich für meinen Teil sicher, dass es sich gelohnt hat, trotz allem. Ohne Andrea wären nun auch keine Elfenkinder bei uns. Das Leben geht manchmal verschlungene Wege.

Hier Andrea und Easy:

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Wie viel lieber hätte ich geschrieben, dass Andrea Easy sich bestens verstehen, dass sie Easy alles beigebracht hat was so ein kleiner Jüngling können sollte. Es kam anders. Es liegt nicht alles in unseren Händen.

Über die Entwicklung unserer Elfenkinder berichte ich im 3. Teil.

 

 

2 Gedanken zu „Unsere Reise zu den Elfenpferden – Teil 2

    1. Antoinette Artikelautor

      Ja das Emerödli hat sich in ihrer scheuen aber doch irgendwo sehr bestimmten Art sehr bestimmt bermerkbar gemacht. Sie wird wundervoll werden, also sie ist schon wundervoll, aber ich glaube, wenn sie jemandem ihr Vertrauen schenken wird, dann wird sie diesem Menschen alles geben. Ihr Schlafzimmerblick ist sehr besonders:-) Ich bin gespannt auf den Bericht von Maya, wie es ihr mit Emeraudes Mama Alfa ergangen ist, ich glaube, Emeraude hat charakterlich viel von ihrer Mama. Liebe Grüsse Antoinette

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