Nach welchen Früchten willst Du greifen? 3 Fragen, die Dich weiterbringen

Der Frühling hält nun eeendlich doch Einzug. Nach welchen Früchten möchtest Du diesen Herbst greifen?

Es ist wieder länger hell und wärmer und es grünt. Die richtige Zeit um Pläne zu schmieden, sich Ziele zu setzen, sich klar zu werden, was Du Dir für diese Saison mit dem Pferd wünschst.

Und da gibt es ja jede Menge Möglichkeiten. Unsere Tochter zum Beispiel hat das Thema Horseathlon entdeckt. Eine Pferdesportart, die es bisher glaube ich vor allem in der Schweiz gibt. Also werden Kurse im Internet gesucht und das Sparschwein wird gewogen und sie ist schon ganz aufgeregt, ob es dann auch klappt mit ihren Plänen.

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Ziele sind hilfreich 

Ziele sind eine tolle Sache – aber erstmal musst Du sie finden. Schon dieses Finden, falls sie nicht schon glasklar vor Deinem inneren Auge erschienen sind, hilft Dir dabei, klarer zu werden, was Du wirklich willst.

Hier die meiner Meinung nach entscheidende Frage, um das für Euch passende Ziel zu finden:

Welches sind die Momente im Zusammensein mit meinem Pferd, in denen mein Herz weit wird vor lauter Glück?

Ich zum Beispiel hatte gestern nachmittag so einen Moment. Ich war mit meinem Pferd Raphaël auf einem kleinen Ausritt – auf der eingezäunten Wiese unseres Nachbarn habe ich mit ihm ein paar Lektionen geübt, die ich im Moment verbessern möchte. Schaukeln im Stehen zum Beispiel geht vom Boden aus schon sehr gut, vom Sattel aus tritt er rasch rückwärts oder seitwärts. So war er schon immer, wenn er denkt, etwas könnte gemeint sein, nimmt er es vorweg und wartet nicht auf die Hilfen. Wir haben auch angaloppieren geübt und Trab – Schritt – Übergänge. Nichts Spektakuläres und nichts Perfektes, aber ich habe mich enorm über seine Aufmerksamkeit gefreut, er war total bei der Sache, ich war gut drauf und unsere Kommunikation war sehr fein.

Danach hab ich ihn abgesattelt und abgezäumt und hab mich mit den Hunden ein wenig ins Gras gesetzt. Raphaël hat sich derweil gewälzt und Gras gezupft. Als wir wieder zurück wollten reichte ein “Raphaël komm” und er hörte auf zu grasen und kam tatsächlich zu mir. Einfach schön, was soll ich da noch sagen?

Mein Ziel mit ihm für dieses Jahr ist es, mindestens einmal pro Woche in einer solchen Stimmung mit ihm zu üben. Nur ich allein ohne Handpferd ohne Reitschüler mit dabei einfach er und ich. Und am Galopp möchte ich weiterarbeiten, dass er leichter und flüssiger wird. Aber das wichtigste ist mir diese Stimmung und für die bin ich verantwortlich.

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Vergleichen, ja – aber richtig und nur für Dich

Pass auf, dass das Ziel Dich und das Pferd nicht überfordert. Was andere im selben Stall oder Pferdealter tun ist nicht wichtig – es geht hier “nur” um Euch.

Ich kenne dieses Gefühl, ui, dieses Pferd ist auch erst 5 und kann schon dies und das und meiner noch nicht. Ich glaube, das ist nicht zu vermeiden. Wir Menschen haben wahrscheinlich so eine Art Vergleichsgen oder so. Tiere haben das nicht, da bin ich mir sicher, Pflanzen auch nicht. Oder kannst Du Dir einen blühenden Kirschbaum vorstellen, der sich so denkt: “Oh der da vorne rechts, der hat aber viel mehr Blüten als ich und auch nicht so krumme Äste… ” und dann ganz frustriert ist und aus lauter Kummer noch krummer wird?

Aber da wir dieses Eigenschaft nun mal haben, nutze sie bewusst und positiv für Dich.

Indem Du Dich fragst: Wie fühle ich mich wenn ich das sehe?  Und was ist mein Bedürfnis, mein Wunsch an mich und mein Pferd?

Und Achtung es kommt noch eine dritte Frage hinterher, das ist quasi die Wichtigste! Zu der Antwort, die aus Dir gekommen ist, frage Dich:

Ist das wirklich wahr?  Ist das meine Wahrheit?

Oft kommen uns nämlich Gedanken, die aus Bildern entstehen, die wir von irgendwo übernommen haben. Und es ist unglaublich befreiend, zu unserer ganz eigenen Wahrheit zurückzukehren.

Hier noch einige Details dazu, wie Ziele nachweislich die beste Wirkung haben:

  1. Das Ziel aufschreiben und Dich selbst immerwieder daran erinnern.
  2. Positiv formulieren und mit Worten, die Dir Freude machen. Also zum Beispiel: Am Ende des Jahres 2016 bin ich überglücklich, weil mein Pferd Hawah auf dem Platz und im Gelände leichtfüssig und entspannt einen Reiter trägt. Es macht ihm und mir Freude, uns gemeinsam zu bewegen.
  3. Falls andere Menschen damit zu tun haben, informiere sie oder suche Dir, was Du brauchst, um das Ziel zu erreichen. Ein Buch über Zirkuslektionen vielleicht oder einen Kurs oder eine Mitreiterin für einen Wanderritt.

Nicht verbeissen

Ziele können keine Wunder bewirken und es besteht tatsächlich die Möglichkeit, dass Du sie nicht erreichst. Vielleicht brech ich mir ein Bein und dann wird erstmal nix mit Hawah einreiten. Dinge können passieren. Oder er stellt sich fürchterlich kompliziert an und wir brauchen viel länger bei ihm als bei anderen Pferden. Wer weiss.

Wichtig ist, dass ich mich jetzt gut fühle mit meinem/unserem Ziel und genau so wichtig ist, dass ich das Ziel überprüfe, wenn es für ihn oder mich oder beide plötzlich nicht mehr stimmig ist. Kein Drama, dann setze ich ein neues Ziel.

Schlimme Dinge passieren, wenn Menschen aus lauter Ehrgeiz ihre eigenen Grenzen und die ihres Pferdes nicht wahrnehmen können.

Also wach bleiben, hinfühlen und wenn Dein Herz wirklich lacht, so ganz breit grinst – dann wird es wohl gut sein so. Denn Du liebst ja Dein Pferd und wirst spüren wie es ihm geht.

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