Vertrauen durch Vertrauen – 4ter und letzter Teil unserer Abenteuer mit den Elfenkindern

Rückblickend fällt mir auf, dass es in unserer Elfen-Geschichte immer und immerwieder um das Thema Vertrauen ging. Und zwar nicht nur von der Seite der Elfenkinder aus, sondern auch bei mir und bei den Pferdebesitzern, die uns ihre zarten Geschöpfe anvertraut haben.

Ein Gegenpol von Vertrauen ist Angst – und die Angst war ebenso allgegenwärtig in dieser Zeit. Zuerst waren es Angst und Sorge um das Leben der Kleinen, ganz zu Anfang wegen dem drohenden Schicksal beim Schlachter entsorgt zu werden, danach wegen wegen ihres teils echt bedenklichen Zustandes.

Dann wieder Ängste bei jedem Schritt in Richtung “Normalität”. Als wir die kleinen Stuten in die Herde brachten waren da Gedanken wie: Was wenn die sich auf den 6 ha Gelände einfach in den Wald verschlaufen sobald wir auftauchen? Was wenn sich eine verletzt und wir können sie nicht richtig einfangen und verarzten? Treffe ich die “richtigen” Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt.

Die kleinen Stuten verzupften sich nicht in den Wald

Nein, sie wussten mittlerweile, dass wir Zweibeiner zumindest dafür gut waren, zusätzliches Futter in Eimern zu bringen und wir brauchten einfach einige Zeit, bis wir sie zum füttern in dem abgesperrten kleinen Platz hatten. Es dauerte nicht lange und sie wussten, wie der Hase, ähh der Futtereimer läuft.

Tatsächlich hatte Emeraude einmal eine Schramme am Vorderbein, zum Glück nicht tief und sie heilte ohne unser Zutun problemlos ab. Wir hätten nämlich zu dem Zeitpunkt ohne Sedation null Chancen gehabt, das auch nur zu desinfizieren… Jede Hand, die ein Bein berührte, auch nur ganz oben, wurde energisch weggebissen. Heute kann ich sie überall berühren und sie geniesst es sogar. Hufe geben geht auch, zu meinem Erstaunen legt sie mir die Vorderhüfchen einfach ganz locker in die Hand, völlig entspannt. Und ich kann nicht mal genau sagen, warum diese Entwicklungssprünge dann passieren wenn sie passieren. Meist relativ unerwartet.

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Das grosse Päppeln bei den Jungs

Mitte Mai 2015 gesellte sich Tari (Epi)  zu Easy und Electron. Mein Herzenspferd, die Geschichte dazu könnt ihr hier nachlesen. Bei ihm war es vor allem Erleichterung und eine einzige riesige Befreiung als er endlich endlich nach langem Bangen um ihn bei uns war. Sein Zustand war deutlich besser als noch vor einigen Wochen und Easy und Electron begrüssten ihn überaus freundlich. Ich war total zuversichtlich, dass nach all den Strapazen, die er überstanden hatte, und mit seinem offensichtlichen Lebenswillen, nun alles besser würde. Klar, es würde Zeit brauchen.

Sorgen machte mir bei ihm in erster Linie das dick geschwollene linke Sprunggelenk. Beide Tierärztinnen, die draufgeschaut haben, meinten, es könnte ein Chip sein, aber es würde im Moment keinen Sinn machen zu röntgen und er zeigte ja keinerlei Lahmheit.

Ich vertraute darauf, dass es gut werden würde und kein bleibender Schaden bestand. Es konnte ja ebensogut noch von der Verletzung an diesem Bein herrühren und er würde nun 3 Jahre Zeit haben, gesund und stark zu werden. Und sonst würde immernoch Zeit da sein, genauer zu untersuchen.

Seit einigen Wochen ist nun die Schwellung weg, juhuuuu!

Schwierige Aufgaben? – nur her damit

Ende Mai dann die Anfrage der mehr oder minder verzweifelten Besitzerinnen von Eskimo und Expresso, ob ich die beiden nicht doch auch noch zu uns holen könnte, weil sich die Dinge in dem Stall, wo die beiden gemeinsam untergebracht waren, nicht so entwickelten wie gewünscht und gut für die beiden Jammergestalten.

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Meine Freundinnen und ich stellen uns manchmal im Scherz vor, wir würden vor unserer Inkarnation irgendwo im Himmel sitzen und es ginge dann darum, wer welche Aufgaben übernehmen würde im zukünftigen Leben. Und ich schwöre dann lachend, dass ich das nächste mal die Klappe halten und nicht dauernd “Hier” rufen würde.

Aber für dieses Leben ist es eh zu spät und so kamen auch Expresso und Eskimo Ende Mai auf “unsere Alp”. Während Eskimo “nur” ein Hungerhaken war, hatte ich um Expresso so richtig Angst. Er war so schwach, dass er im Stand die Sprunggelenke aneinander anlehnte um sich zu stabilisieren. Und nun war es Ende Mai schon an die 30 Grad heiss und die anderen zottelten die Bergweide hoch und runter und kreuz und quer – und er natürlich hinterher. Aber mit letzter Kraft.

Ich hatte Albträume, sah mich im Traum mit einem Infusionsständer auf der Weide neben einem völlig entkräfteten Expresso sitzen – und war umso dankbarer als ich aufwachte und realisierte, dass es nur ein Traum war.

Ich hätte ihn separieren können – aber war es nicht gerade auch die Gesellschaft seiner relativ gesunden Kumpels, die ihn motivierte? Und das Gras, das Gras war einfach Gold wert für diese Pferdchen. Dort wo ich ihn sonst hätte hinbringen können, war alles abgefressen – da waren die Lipizzanerchen vorher gewesen.

Er blieb also da – und wars zufrieden und futterte und futterte. Expresso ist heute noch der mit dem grössten Nachholbedarf. Die Hinterbeinchen nach wie vor ein wenig x-förmig, aber auch hier überwiegt mein Vertrauen. Und ich weiss dass er in liebevollsten Händen sein wird, wo auch sein unglaublich goldiger und unkomplizierter Charakter geschätzt wird. Und er wird wunderschön werden.

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Eskimos Unfall

Ein weiterer Meilenstein in Sachen Angst und Vertrauen ist der Unfall von Eskimo im Zuge der Integration in die “Bubengruppe”.

Es war für mich das erste Mal in diesen bald 8 Jahren, in denen wir Weidepensionäre betreuen, dass ich einen Pferdebesitzer anrufen musste mit einer derartigen Nachricht – eine tiefe Wunde! Wir stehen allesamt unter Schock. Die ganze Geschichte dazu findet ihr in einem eigenen Blogbeitrag Fünf Freunde und ein Unfall

Electron und das Halfter

Zu guter Letzt hatte ich noch versprochen zu erzählen, wie Electron schlussendlich doch noch halfterführig wurde. Seine liebe Besitzerin Michelle und wir haben geduldig geübt und ihn immerwieder weglaufen lassen wenn es ihm zu viel wurde – und irgendwann schwupps, hat er’s begriffen und sich das Halfter nicht nur an- und ausziehen lassen, sondern ist auch mitgelaufen. Er versucht zwar immer noch, ab und zu seinen eigenen Weg zu gehen, verständnislos, dass der Mensch am anderen Ende des Stricks jetzt gerade anhalten oder nicht dahin gehen will, wo er hinwill.

Aber auch mit ihm können wir heute völlig normal üben, die Hektik und Panik sind wie weggeblasen. Fast im Gegenteil scheint mir sein Vertrauen schwer zu erschüttern. War das was? Ach wird nicht so tragisch sein, ich geh wieder zurück zum Menschen…

Also alles im grünen Bereich. Manchmal erinnert mich das alles an meinen ältesten Sohn, bei dem ich ein wenig verzweifelt war,  weil er mit bald 2einhalb Jahren noch nicht auf die Toilette ging sondern auf seinen Windeln bestand. Da bald das zweite Kind kommen würde, fragte ich mich, wie ich das hinkriegen sollte und wann und wie in aller Welt er denn das begreifen würde mit der Toilette. Zwei Wochen vor der Geburt des Kleinen gings wie von selbst, keine Ahnung warum, er wollte keine Windeln mehr.

Es geht also nicht darum, sich keine Gedanken zu machen, aber es ist tatsächlich so, dass nur der allerkleinste Teil aller Befürchtungen real werden.

Unserer Elfenkinder haben mich einmal mehr gelehrt, dass ein bisschen Vertrauensvorschuss ins Leben zu wunderbaren Ergebnissen führt.

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Morning Light – ein nicht gehaltenes Versprechen

Gestern habe ich auf der facebook-Seite “Mit Pferden sein” einen Text gelesen, in dem es über Erinnerungen an Schulpferde ging.

Die Zeit allein heilt keine Wunden

Da hat es mich überkommen – plötzlich merkte ich wie mir Tränen über die Wangen kullerten. 35 Jahre später! Weil sofort wieder die Erinnerung an Morning Light, kurz genannt Mogli, da war. Morning Light war ein Schulpferd in der Reitschule, in der ich meine Jugend verbracht habe. Er war ein Schimmel – vielleicht daher meine Liebe zu den Schimmeln? – und knochig und ziemlich hässlich. Und er war unzufrieden. So sehr unzufrieden und unglücklich, dass es wirklich jeder bemerken musst. Die Ohren waren so gut wie immer hinten, er biss beim Satteln und er frass nicht mal seinen Hafer.

Morning Light, so viel wusste ich, war einstmals ein Vielseitigkeitspferd gewesen. So stellte ich ihn mir immer wieder vor, wie er in stolzer Galoppade auf der Geländestrecke ging.

Kein Vergleich zu diesem Pferd, das hier nun im Ständer stand. Ja vor 35 Jahren war Ständerhaltung noch üblich. Mogli stand im 3 Ständer links gleich nach dem Eingang.

Ich ritt ihn so gut wie nie, ich bekam die “besseren” Pferde. Und es war ja auch gar nicht so, dass ich ihn reiten wollte. Er lief, wie im Stall über ihn gesagt wurde, wie “eine Ameise auf der Flucht”. Ultrakurze Tritte. Im Galopp neigte er dazu, sich zu wehren, wenn jemand zu sehr mit den Beinen klemmte oder ihn mit dem Schenkel antrieb. Dann hob er bei jedem Galoppsprung den Allerwertesten in die Luft, nicht sehr hoch, aber doch. Deshalb gab man den Reitschülern eine kurze Gerte, mit dem sie ihn in den Galopp – ähhh prügelten? Weiterlesen

Scheu aber wehrhaft – Unsere Abenteuer mit den Elfenkindern – Teil 3

Da lagen sie nun auf der kleinen Wiese und ruhten sich aus oder aber sie grasten oder frassen Heu – die Erschöpfung war gross. Das Wetter meinte es gut mit uns und wir waren froh um die Frühlingssonne. Wie sich etwas mehr als eine Woche später zeigte, wären die “Fünf Freunde” nämlich auch bei Regen nicht von selbst darauf gekommen, in den Unterstand zu gehen.

Unser Fohlentrüpplein – Electron, Emeraude, Easy, Eltanin und Endora – hielt sich meistens dicht zusammen. Emeraude und Eltanin entwickelten riesige Ödeme am Kopf und Eltanin auch an Brust und zwischen den Vorderbeinen. Die Tierärztin unseres Vertrauens, die sich “dank” ihrem Engagement im Tierschutz auch mit geschwächten Tieren gut auskennt, beriet mich hervorragend. Schwäche, Verwurmung und der lange Transport meinte sie, könnten solche Reaktionen hervorrufen.

Fast unberührbare Pferde – eine neue Herausforderung für uns

Als ich mich einmal Emeraude von hinten etwas unvorsichtig näherte, hatte ich zwei Hinterhüflein in der Magengrube. Hoppla, ich war noch weit weg gewesen und es war nicht mehr als ein Stupser für mich. Electron teilte auch mal aus und Andrea hatte einen dunkelblauen Fleck am Allerwertesten. Mir wurde klar, dass wir uns für ein Vorgehen entscheiden mussten, um das Vertrauen der Kleinen zu gewinnen. Weiterlesen

Weil Du wertvoll bist – Schlösser knacken, neue Räume erkunden

In der Blogparade meiner vielgeliebten Taschendamen “Nicht nur Taschen – Taschen mit Mission” geht es um Frauen und darum, dass wir uns selbst wertschätzen. Auf welche Art wir das tun können und wie wir’s anstellen, es nicht dauernd zu vergessen vor lauter Irgendwas.

Scheinbar passt das Thema nicht in einen Blog über die Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Oder doch?

Ich würde sagen: Und wie! Das passt perfekt!

Und zwar weil es salopp gesagt so ist, dass wir im Grunde ein Lebewesen nur so sehr wertschätzen können wie wir uns selbst wertschätzen.

Nein nein nein! höre ich viele rufen. Ich liebe meine Kinder, meinen Mann, meine Eltern, wen auch immer (mein Pferd, den Hund) mehr als mich selbst.

Das kann schon sein. Aber lieben ist nicht dasselbe wie wertschätzen.

Was ist der Unterschied?

Wert – Schätzen, also den Wert von etwas/jemandem hoch einstufen. Wie geht man/frau mit etwas um, dessen Wert sie hoch einstuft? Ja klar sorgfältig!

Und Hand auf’s Herz – gehst Du immer sorgfältig um mit etwas das Du liebst?

Ich zum Beispiel war schon oft ruppig zu meinem Mann, viel ruppiger als zu Fremden, die ich auf jedenfall weniger liebe als meinen Mann. Liebe, oder jedenfalls das was in der Alltagssprache als Liebe bezeichnet wird,  schützt vor Grobheit nicht, behaupte ich deswegen. Sie schafft möglicherweise Nähe, wenn es gut geht. Aber gerade gegenüber denjenigen Wesen, die uns am nächsten sind, sind wir am verleztlichsten und geraten am raschesten in emotionalen Stress. Der dann in Grobheit umschlägt.

Mama, ich versteh Dich nicht

Mama, ich versteh Dich einfach nicht, sagte mein mittlerer sehr feinfühliger Sohn mal zu mir. Du liebst diesen Hund über alles. Aber wenn Du schlecht gelaunt bist, dann kriegt er es zu spüren.

Das sass. Ich wusste, dass er recht hatte. Ich riss mich meinem Mann gegenüber meistens zusammen, den Kindern gegenüber auch, aber wenn das Mass voll war, hatte ich keine Kraft mehr, mich auch meinem wirklich über alles geliebten, aber sehr sehr anstrengenden Hund gegenüber im Griff zu haben.

Die Lösung des Dilemmas: Schlösser knacken – neue Räume erkunden

Die Lösung dieses furchtbaren Dilemmas, das Du vielleicht auch kennst, egal ob es den Hund oder sonst wen angeht,  liegt aber tatsächlich in der Wertschätzung, die ich mir selbst entgegenbringe. Es geht darum, sich aufzumachen um neue Wohlfühlräume für Dich selbst zu erkunden und zu erschaffen. Das ist kein Luxus, wie ich früher oft dachte.  Und möglicherweise gibt es da Schlösser Deiner Gewohnheiten und Glaubenssätze, die geknackt werden dürfen. Um zu gucken, was dahinter zum Vorschein kommt.

Erschaffe Dir leuchtende Stellen in Deinem vielleicht grauen Alltag!

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Für Dich – und gleichzeitig für alle anderen

Weil ich wertvoll bin  kommt uns schwieriger über die Lippen als Weil Du wertvoll bist, oder? So viele Verletzungen haben wir schon erlebt, so viele Erniedrigungen – ich jedenfalls. Ich kann Dich nicht davon überzeugen, dass Du wertvoll bist. Das kannst nur Du!

Aber ich bin mir absolut sicher, dass Du gemeint bist, ja genau Du. Das Leben meint Dich. Gemäss der Quantenphysik, wirklich wissenschaftlich nachgewiesen, sind wir alle miteinander verbunden. Menschen, Tiere, Pflanzen, der Planet Erde, alle.

Und in diesem unglaublich komplexen Netz bist Du ein Punkt, der mit vielen anderen verbunden ist. Auch wenn Dir das vielleicht im Alltag nicht bewusst ist. Du begegnest Menschen, physisch und virtuell, zum Beispiel in dem Du das gerade liest. Du hast eine Wirkung auf Deine Umgebung durch Dein Befinden, durch jede Deiner Handlungen. Du kannst nicht “nicht wirken”.

Das Verrückteste an der ganzen Sache ist die Tatsache, dass es in einem System – sei es eine Gruppe von Zellen oder ein Körper mit all seinen Organen oder eine Gemeinschaft von Menschen oder ein Wald – für das ganze System von Nutzen ist, wenn es einem Einzelteil des Systems gut geht.

Du kannst Dir also getrost sagen, dass Du es für alle tust, wenn Du dafür sorgst, dass es Dir gut geht. Zum Beispiel mit einer Morgenroutine, die dich so richtig gut in den Tag starten lässt.  Damit fühlst Du Dich dann gut, und Du tust indirekt für etwas Schönes für alle, die mit Dir verbunden sind. Dein Tropfen wirkt auf alle Seiten.

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Sogar bis zu Deinem Pferd, falls Du denn eines hast:-)

Ist das nicht eigentlich grandios?

Mein kleiner Trick zur Selbstüberlistung

A propos Morgenroutine – ich bin ja so ein Freigeist, der schon wieder gestresst ist, wenn ich etwas tun MUSS, auch wenn ich es mir selbst auferlegt habe. Ich habe mir deswegen eine Liste von 7 Dingen gemacht, die mir am morgen gut tun und mache jeden Morgen mindestens 3 davon. So fühle ich mich immernoch frei – kleine List mir selbst gegenüber – und tue mir und wie schon gesagt, meiner Umgebung, etwas Gutes.

In meiner Liste stehen Dinge wie:

  • gesundes und gemütliches Frühstück mit vielen Früchten (das braucht schon mal Zeit zum vorbereiten) und Müsli
  • ein Sonnengruss
  • die Füsse eincremen oder ölen (ich steh ja voll auf Kokosöl) und kurz massieren
  • die Hände begrüssen (warm machen, eincremen, bewegen)
  • als erstes lauwarmes Wasser trinken – oder lauwarmes Wasser mit dem Saft einer frischausgepressten halben Zitrone
  • 15 Minuten still sitzen (oder liegen) und lauschen, was mein Herz mir gerade sagen möchte
  • mir 20 Minuten gönnen um einen inspirierenden Text zu lesen

So habe ich für jeden Morgen etwas – wenn kaum Zeit ist, ist’s der Sonnengruss und die Hände begrüssen und das Wasser trinken, das geht rucki zucki und ich habe dennoch etwas für mich getan.

Und für meine Umgebung – und meine Pferde, denen ich dann später begegnen werde.

Ich grüsse Dich von Herzen, Du Wertvolle, Kostbare

Antoinette

 

 

 

Unsere Reise zu den Elfenpferden – Teil 2

Andrea’s Suche nach ihrem Pferd

Jetzt wo also klar war, dass Emeraude nicht zurückbleiben würde, auch wenn Andrea sich nicht für sie erwärmen konnte, ging die Suche nach dem Pferd los – ihrem Pferd!

Michelle und Andrea sahen sich um – von den kleinen Hengsten waren noch am meisten Pferde da. Sie setzten sich zu den Stuten, dann zu den Hengsten, gingen herum. Was für eine unglaublich schwierige Entscheidung.

Andrea setzte sich hinten an der Wand der Halle auf einen Querbalken bei den kleinen E-Hengsten und beobachtete und wartete. Ich hielt mich ausserhalb, wollte nicht stören. Wie lange sie da so sass, kann ich nicht sagen, eine ganze lange Weile jedenfalls. Immerwieder gingen die “üblichen Verdächtigen” zu Andrea hin, es gab einige Hengstlein, die weniger scheu waren und die Besucher gerne abschnüffelten. Expresso zum Beispiel.

Die meisten ruhten oder frassen am grossen Heuballen in der Mitte. Plötzlich löste sich ein relativ kleiner hellbrauner Hengst mit heller Mähne aus der Truppe und ging in schnurgerader Linie auf Andrea zu. Immer nur einige Schritte, dann stoppte er wieder und sah sie weiter an. So ging er bis auf ca. 3 Meter zu ihr, dann blieb er endgültig stehen und sie sahen sich lange gegenseitig an.

Ich ging aus der Halle – ich war berührt, dachte, hoffentlich nimmt sie den – wollte aber auf ihre Entscheidung keinen Einfluss nehmen. Ca. eine Stunde später kam Andrea zu mir und sagte, ich habe ihn gefunden, komm ich zeig ihn Dir. Und sie zeigte mir ebendiesen zuckersüssen kleinen Easy. Ich war mir absolut sicher, dass er der Richtige war.

Andrea und ich setzten uns hin und schrieben eine Vereinbarung, dass ich ihn erstmal bezahlen würde, sie mir die Kaufsumme aber innerhalb eines Jahres zurückzahlen würde.

Aufbruch in ein neues Leben

Michelle fand ihren wunderschönen grossen Electron, Epi konnten wir nicht mitnehmen, weil er nicht transportfähig war – diese Geschichte kannst du hier lesen.

Eigentlich hätten wir nochmals übernachten wollen und dann am nächsten Tag frühmorgens losfahren mit unserer wertvollen Fracht, aber nun wurde uns gesagt, dass sich andere Besucher angekündigt hätten für die Nacht und die Betten gebraucht würden. So entschieden wir uns, die Nacht durchzufahren.

Erst musste noch der bürokratische Teil erledigt werden. Dann packten wir unserer sieben Sachen. Andreas Vater fuhr schon mal den Anhänger zum Stall, ich holte das Gepäck…

Die ausgesuchten Pferde wurden durch einen Gang aus Pannels in den Anhänger getrieben, gottseidank kam ich erst am Schluss dazu. Alle gingen rein, nur meine kleine Emeraude nicht. Wie ein Holzbock stand sie da. Schliesslich haben die drei Männer sie quasi in den  Anhänger reingeworfen und die Klappe geschlossen, obwohl sie noch nicht ganz drin stand. Mir blieb fast das Herz stehen, als ich ihre kleinen Hufe über der Wand auftauchen sah.

Aber sie rappelte sich auf und die fünf, Electron, Easy, Emeraude, Eltanin und Endora drückten sich nahe zusammen. Da hätten noch mal einige so kleine Pferdchen reingepasst. Und ich hatte mir Sorgen gemacht um den Platz im Hänger.

Endora hatte sofort vom ersten Augenblick an das Sagen, sie war der ruhende Pol. War ich froh, sie dabeizuhaben.

Die Fahrt zum riesigen roten Mond

Wir fuhren sofort los, es rumpelte ein wenig, wieherte einmal und dann war Ruhe an Deck. Andreas Vater und ich wechselten uns ab und wir fuhren die Nacht durch. Am Horizont erschien ein riesiger blutroter Mond, genau vor uns – ich hatte so etwas noch nie gesehen.

Wunderschön! Wir nahmen es als gutes Omen.

Die Pferde standen absolut ruhig, jedesmal wenn wir reinguckten, hatten sie sich ein wenig neu sortiert, blieben aber ganz nahe beieinander und gaben sich wohl körperlich und psychisch gegenseitigen Halt.

Die letzte Stunde war die schwierigste, weil wir keine Autobahn mehr hatten und durch die elsässischen Dörfer kurven mussten. Emeraude war am Ende ihrer Kräfte und legte sich hin. Ich hatte Angst – um ihre Beinchen, weil die anderen drauftreten könnten – und überhaupt.

Um 7 Uhr morgens fuhren wir den Anhänger rückwärts in die für die Pferdchen vorbereitete abgegraste Weide mit Unterstand und Reitplatz hinein, so dass sie einfach nur aussteigen konnten.

Alle kamen raus, Emeraude blieb liegen. Ich berührte sie, rüttelte an ihr, keine Reaktion zuerst. Oh mein Gott! Dann aber plötzlich sprang sie auf und rannte den anderen hinterher. Keine Spur von Lahmheit, gott seis gepriesen. Wir waren alle erledigt, waren einfach nur froh, alle heil hier hin gebracht zu haben.

Anfassen liess sich ausser Endora noch keiner der vier. Erstmal vor allem Füttern und bald Entwurmen.

Um 9 kamen mein lieber Mann und unsere Tochter relativ missgelaunt – ich hatte ein Pferd zuviel mitgebracht. Und dann in diesem Zustand? Ich schwor, dass aus Emeraude eine wunderschöne charakterstarke Stute werden würde. Der Familiensegen hing noch eine zeitlang schief.

Schon am zweiten Tag schlich sich mein Liebster von schräg hinten an die Heu fressende Emeraude heran, kraulte sie zart auf der Kruppe, schaute mich triumphierend an und sagte: So geht das! Wenn das keine Freundschaft werden wird;-)

Andrea verbrachte grösstenteils glückliche Tage mit den kleine Lipizzanern. Allerdings war sie traurig, dass sie Easy noch nicht streicheln konnte.

Dann Ende April kam wieder einer von Andreas Zusammenbrüchen. Sie hatte ja seit sie 12 gewesen war, den überwiegenden Teil ihrer Zeit in Kliniken verbracht. War vollgepumpt mit Psychopharmaka und auch abhängig von Schlafmitteln. Ein erneuter Aufenthalt in einer Psychiatrischen Klinik war leider unumgänglich. Es sollte das letzte mal sein, dass sie Easy gesehen hat.

Ende August hat sich Andrea in der Klinik das Leben genommen. Easy war nicht genug Halt für sie gewesen auf der Erde. Wir auch nicht. Leider. Dennoch war Andrea sehr dankbar für Alles. Dafür, dass wir sie aufgenommen hatten und auch für die Erlebnisse, die sie mit den Pferden und ihrem Easy hatte. Die Verbindung, die sie zu ihm gespürt hatte. Wir waren bis am Schluss in Kontakt, schriftlich und telefonisch, und ihre letzte Nachricht an mich war, dass sie am Dienstag gerne kommen würde und einen Spaziergang mit Easy machen. Dieser Spaziergang hat nicht mehr stattgefunden.

Der Schock war gross.

Trotzdem bin ich für meinen Teil sicher, dass es sich gelohnt hat, trotz allem. Ohne Andrea wären nun auch keine Elfenkinder bei uns. Das Leben geht manchmal verschlungene Wege.

Hier Andrea und Easy:

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Wie viel lieber hätte ich geschrieben, dass Andrea Easy sich bestens verstehen, dass sie Easy alles beigebracht hat was so ein kleiner Jüngling können sollte. Es kam anders. Es liegt nicht alles in unseren Händen.

Über die Entwicklung unserer Elfenkinder berichte ich im 3. Teil.

 

 

Unsere Reise zu den Elfenpferden – Teil 1

Wie  ich im November 2014 auf die “Schlachthaus der Lipizzaner”-Seite in Facebook aufmerksam wurde, weiss ich gar nicht mehr.  Jedenfalls wurde ich.

Es sollte der Beginn von wunderbaren Freundschaften werden

Am Anfang war ich nur schockiert. Ich gehöre nicht zu den Leuten, denen ein Lipizzaner grundsätzlich mehr wert ist als ein Freiberger. Ich habs nicht so mit den Rassen, auch bei den Hunden nicht. Ich sehe mehr die Individuen als die Rassen.

Aber zwei Jahre zuvor hatten wir einen heruntergekommenen Lipizzaner bei uns aufgenommen. Ich hatte ihm zu tief in die Augen geschaut, schon bei unserer allerersten Begegnung, als ich mit ihm aushilfsweise Kinderreitstunden gegeben hatte. Mit ihm und mit zwei schönen spanischen Pferden. Optisch fiel er damals im Vergleich ziemlich ab, aber ich fühlte mich mit ihm vom ersten Augenblick an verbunden.

Als dann im Herbst klar wurde, dass er einen neuen Platz suchte – völlig unmotiviert und genaugenommen auch lahm – versuchte ich, ihn an nette Menschen zu vermitteln. Aber nach einem Proberitt lehnten diese dankend ab, der fühle sich an wie 37 nicht wie 17. Tja, schwierig.

Wo findet sich ein förderlicher Platz für ein lahmendes, unmotiviertes, älteres Pferd? Ich machte mir grosse Sorgen um ihn. Mein Mann war gegen ein weiteres eigenes Pferd, obwohl er Lipizzaner sehr liebt. Weiterlesen

Wieviel Mensch braucht ein Pferd?

In diesem Artikel gebe ich – wie immer – meine ganz subjektive Ansicht und meine Gedanken wieder, die mir bei der Betreuung der über 30 völlig unterschiedlichen Pferde auf unserer Weide durch den Kopf gehen. Ich bin mir bewusst, dass die Ansichten zu diesem Punkt weit auseinandergehen. Viele denken, dass Pferde unter sich am glücklichsten sind und Menschen gar nicht brauchen.

Mit “brauchen” meine ich hier nicht das zur Verfügung stellen der Lebensgrundlagen wie Futter, Wasser, Artgenossen, Bewegung, Luft, Licht. Sondern ich meine damit die Interaktion mit dem Menschen.

Was wollen Pferde?

Bei Hunden hat man ja festgestellt, dass Welpen in einem gewissen Alter den Kontakt zum Menschen dem Kontakt zu ihren Geschwistern vorziehen. Soweit gehen Pferde meiner Erfahrung nach selten, aber sowohl als auch, das hätten sie gerne.

Ich erlebe auf unserer Weide auch die “Bring mir Futter und lass mich im übrigen in Ruh”-Typen. Allerdings sind das durchs Band ältere Pferde, die lange “im Dienst” der Menschen standen. Zwei davon Ponies.

Sie sind Alterspensionäre und wir wollen nichts von Ihnen, ausser dass es ihnen gut geht – sie stehen bei uns auf grossen Weiden mit Unterständen und mampfen und leben einfach in der Herde. Und wisst ihr was dann passiert? Weiterlesen

Die Brücke der Liebe

Yisr al Hawah ist arabisch und heisst übersetzt die Brücke der Liebe. Ich muss jetzt hier mal was gestehen – ich habe Hawah vor drei Jahren nur aus einem Grund gekauft: Weil er mich in seinem Ausdruck so sehr an meine Penta erinnert hat. Penta war mein erstes eigenes Pferd, meine vertraute Freundin und allerbeste Lehrerin.

Penta hatte etwas – oder soll ich sagen viel – schwermütiges, melancholisches. Das fehlt bei Hawah ganz und gar, er ist die quietschende, blühende Lebensfreude. Mir wurde schon vorhergesagt – von mehr als einer Stelle – dass mich der Junge mal ziemlich herausfordern werde. Und siehe da – nun ist’s soweit. Penta hat das ja auch getan. Nun denn. Ich wollte ihn unbedingt.

Mein Quatschkopf leidet

Hawah fügt sich in sein Schicksal – nachts Box, tagsüber Weide oder Paddock, je nach Wetter zusammen mit Kumpel Insley – so gut es geht. Aber es geht nur mässig gut. Einige Wochen lang denke ich, er wird sich schon eingewöhnen, es ist halt eine Umstellung.

Unsere Mini-Spaziergänge sind herausfordernd und gleichzeitig rührend. Wenn er erschrickt – ein Auto, ein Fahrrad, Kinder was auch immer – wirde er zwanzig Zentimeter kleiner und alles an ihm scheint auszudrücken: Um Himmelswillen, wo soll ich nur hinspringen? Ich muss doch hier weg. Weiterlesen

“So geht’s ja nicht” – oder Wo die wilden Kerle wohnen

Meinem Yisr al Hawah sitzt der Schalk im Nacken – schon von frühester Kindheit an, wie das Bild oben zeigt.

Er mag es, seine Kumpels zu provozieren und mit einer Leichtigkeit über die Wiese bergauf und bergab zu fliegen, die mir das Herz im Leibe lachen lässt. _MG_0864

Den Ernst des Lebens

sollte er als 4 einhalb jähriger Jungspund nun endlich kennenlernen. Er hat sich – wie ich finde – in seinem 5 Lebensjahr zu einem wohlproportionierten wunderschönen Jungpferd entwickelt nachdem er lange sehr fohlenhaft war.

Weil Insley, der gleichaltrige Mustang unserer Tochter für den Winter in unser Nachbardorf umzog – damit sie sich auch nach der Schule mit ihm vergnügen kann, wenn der Weg zu unserer abgelegenen Weide für sie nicht machbar ist – ergriff ich die Gelegenheit. Hawah zog auch um – einige Monate intensiveres Training, die Zivilisation kennenlernen, das war doch ein guter Plan. Die beiden haben sich gegenseitig und können zusammen auf die Weide und den Paddock.

Der Tag des Umzugs

Anfang Okotber war es soweit, die beiden stiegen brav ein und 10 Kilometer weiter wieder aus. Während Insley, der Mustang, sich in der Box in erster Linie für das Heu interessierte, war Hawah schlicht empört. Weiterlesen

Fünf Freunde und ein Unfall – Teil 6 von “Ein Pferd namens Tari”

Weideleben und Erholung

Von Ende Mai 2015 bis August 2015 leben die 5 Freunde Eskimo, Expresso, Electron, Easy und Tari vertraut zusammen und sind vor allem damit beschäftigt, sich zu erholen, zu fressen und zu schlafen. Keiner der fünf ist zum Spielen aufgelegt. Das höchste der Gefühle ist mal ein Galopp über die Wiese wenn es am Abend kühler wird.

Die Zusatzfutter-Lieferung gehört bald zum Alltag und sie kommen auch sofort auf mein Rufen und Kübel-Rasseln. Das mit dem Sich-Anfassen-Lasssen ist individuell sehr verschieden. Bei Easy platzte der Knoten zuerst und er beginnt, das Streicheln und Kraulen zu geniessen.

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