Wenn ich so in den verschiedenen Ställen unterwegs bin, fällt mir, Stine, oft auf, dass viele sich gar nicht mehr über die schönen Dinge im Zusammensein mit den Pferden freuen können. Sie genießen es nicht, beim Pferd zu sein, sondern achten viel mehr darauf, was sie noch alles verbessern müssen, was korrigiert werden muss oder was eben noch nicht so perfekt läuft.

Dann werden Lektionen immer und immer wieder geübt und wiederholt, die Mimik wird immer ernster und strenger, vielleicht sogar genervt. Und der Spaß , die Leichtigkeit und die Freude, die wir empfinden, geht verloren.

Warum ist das so?

Wir alle erleben positive und negative Ereignisse in unserem Leben und beides hat Auswirkungen in unserem Gehirn, aber an unterschiedlichen Stellen. Positive Erlebnisse geraten auf eine Art Glatteis. Sie sind da, man freut sich und dann rutschen sie auf dem Eis irgendwo weg. Negative Erlebnisse kommen im Gehirn in einem Bereich, der eher wie ein Klettverschluss ist. Sie kommen an und „bleiben kleben“. Das bedeutet also, dass wir uns negative Erlebnisse besonders gut merken können.

Lass dir deine Gedanken nicht ankletten – ja öfter wir uns auf dem Glatteis bewusst aufhalten, desto besser lernen wir, uns darauf zu bewegen.

Das ist alleine deswegen schon wichtig, um zu überleben und negative gefährliche Dinge in Zukunft unbedingt zu vermeiden. Das Gehirn ist außerdem ein äußerst flexibles Organ, welches darauf ausgelegt ist, sich optimal an die Bedürfnisse seines „Nutzers“ anzupassen. Die Bereiche die stark genutzt und trainiert werden, erhalten auch mehr Speicherkapazität im Gehirn.

Unser Gehirn wird von klein auf an trainiert, besonders gut auf Fehler zu achten. In der Schule werden beispielsweise Fehler rot markiert, um diese zu verbessern. Das bedeutet, dass wir von Anfang an darauf trainiert werden, uns negative Dinge besonders gut zu merken. Das Gehirn ist ein Energiesparer und Denkleistung erfordert enorm viel Energie. Um diesen Energieverbrauch möglichst gering zu halten, denken wir in einer Art von Mustern. Muster, die wir häufig denken, werden bevorzugt verwendet, da sie am wenigsten Energie verbrauchen.

Da wir schon so früh trainiert werden in „negativen Denkmustern“ zu denken, sind diese Muster besonders gut ausgeprägt und somit bevorzugt. Dies kann schnell zu einer Negativspirale werden.

Positive Gedanken

Das Gute ist: dieser Mechanismus funktioniert auch im umgekehrten Fall. Je mehr wir in positiven Gedanken denken, desto stärker werden diese Synapsen und Verknüpfungen auch in unserem Gehirn.

Man kann sich das wie einen zugewucherten Trampelpfad vorstellen. Je häufiger wir diesen Pfad laufen, desto freier wird er und desto besser wird dieser Weg ausgebaut, bis es irgendwann eine gut befahrene Schnellstraße wird, die nun zu einem bevorzugten Muster wird.

Wir freuen uns, wenn du dich vielleicht mal an diese Bilder erinnerst, falls es vorkommen könnte, dass du dich ärgerst oder frustriert bist bei deinem Pferd! Kletten oder Glatteis, überwucherter Trampelpfad oder Schnellstrasse.

Viel Freude mit deinem Pferd!

Und es gibt eine „Sorte“ von Pferden, die uns dazu anregt, dieses Thema ganz bewusst wahrzunehmen. Das sind die alten Pferde. Sie strahlen diese Präsenz im Augenblick noch anders aus. Sie machen uns – neben den ganzen Herausforderungen, vor die sie uns stellen – auch wunderbare Geschenke.

Mehr darüber und ein kleines Video findest du hier:

Stine mit ihrer Mia, die grad Schabernack im Sinn hat.