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Esel – Abenteuer

Esel sind wirklich DAS andere Equiden-Erlebnis

Ich hatte mich vor gut 20 Jahren in einen Eselstute im Nachbardorf verliebt –  sie war dort allein und hatte chronische Hufrehe – und hatte versucht, sie zu kaufen. Charlotte hieß sie. Die Besitzer-Familie sah weder, dass sie litt noch wollte sie sie verkaufen. Als wir neben ihr standen und ausgesprochen wurde, dass es keine Veränderung geben würde, hat Charlotte stumm zwei dicke Tränen geweint. Es brach mir das Herz, aber ich konnte nichts tun. (Und nein auch kein Veterinaäramt oder Tierschutzverein hätte da in Frankreich gehandelt.)

Wenige Monate später starb Charlotte und ich hatte viele Jahre kaum Kontakt mit Eseln. Die Sehnsucht aber blieb.

Dann, als Emeraude in Leymen in einen Offenstall gezogen ist, in dem auch drei Esel leben, dachte ich, jetzt oder nie. Das ist eine Möglichkeit mit Eselgesellschaft und Handlungsmöglichkeiten für eine eselgerechte Haltung.

Ich machte mich auf die Suche, EIN (1) Esel sollte es sein.

Ich besuchte das Eselheim und traf einen wunderbaren Esel, der es mir sehr angetan hat. Nur leider hat die Eselfachfrau gesehen, dass dieser grosse junge Wallach nicht in die Gruppe der allesamt schon älteren kleineren Esel in dem Stall gepasst hätte.

Sie empfahl mir, nach einer älteren Eselstute Ausschau zu halten. Das würde besser in diese Eselgruppe passen. Zwei Tage später hat sie mir einen Notruf weitergeleitet in dem 3 (drei! herrje)  ältere und teils kranke Esel dringend ein neues Zuhause gesucht haben.

In ihrem Eselheim war kein Platz mehr für diese drei.

Ich sah das Foto von Anja – und mein Herz ging auf.

Anja, eine sanfte und starke Persönlichkeit

Anja war über 30 Jahre alt, wie alt genau wusste man nicht. Sie war früher Zuchtstute gewesen und die Vorbesitzer hatten den Verdacht, dass sie beim Verkauf jünger gemacht wurde.  Maya war 25 Jahre alt und der lungenkranke Moses 20 und er hatte seine Überlebensprognose bereits um 2 Jahre überlebt.

All drei lebten seit 20 Jahren zusammen.

Zuerst versuchte ich für Moses einen anderen Platz zu finden, weil ich Bedenken hatte, mich mit der Medikamentengabe zweimal täglich zu überfordern.

Aber ich hab erstens niemanden gefunden, genauso wie die Vorbesitzer niemanden gefunden haben, der Eselhaltung ernst nehmen möchte und sich auf so alte und kranke Esel einlassen wollte. Und die Zusatzkosten für die Dauermedikamente auf sich nehmen würde. Und ich dachte mir, dass es bestimmt schlimm für ihn wäre nach 20 gemeinsamen Jahren seine Gefährtinnen verlassen zu müssen.

So begann mein Esel-Abenteuer also mit diesen 3 Eseln, Anja, Maya und Moses.

Moses und Lia

Maya sei kompliziert, unkooperativ bei Behandlungen und auf Transporten würde sie sich auf den Boden werfen. Ok deshalb haben wir einen Transporteur mit Selbstfahrer und Kamera engagiert, alles ging gut und so begann unser Kennenlernen.

Ich stand mehr als einmal da auf dem Hof wie der Esel am Berg mit einem oder mehreren Eseln, die sich weigerten, auch nur einen Schritt zu machen.

Entweder die drei waren es gewohnt, ihren Willen durchzusetzen, oder es lag daran, dass sie in unbekannter Umgebung waren? Ich vermute eher ein bisschen, dass meine Vorstellung von einer Grunderziehung bei ihnen nicht vorhanden oder aber schon lange her war. Dinge wie Menschen hinter sich her ziehen, nicht weichen, keinen Zentimeter in keine Richtung, mit vollem Körpereinsatz gegen Tore oder durch geöffnete Zugänge drücken, egal ob da eine Mistkarre ev sogar mit zugehörigem Mensch stand usw.

Und Druck bringt vor allem Gegendruck.

Ich legte mir ein paar Strategien zurecht, begann ein bisschen zu klickern, aber in erster Linie glaube ich rückblickend, es war eine gemeinsame Sprache, die wir uns zulegen durften.

Und das dauerte eine Weile.

Anja

Die zauberhafte Anja starb kurz nach Weihnachten an Altersschwäche. Sie konnte nicht mehr aufstehen, beim ersten Mal gelang es mit Tierarzt und Infusionen noch, sie wieder auf die Beine zu bekommen, aber sie blieb schwach und wackelig.

Da stand ich nun, mein Lieblingsesel war nach wenigen Monaten schon gegangen, aber da waren ja noch die „unmögliche“ Maya und der überaus hübsche Moses.

Unsere Klinik diagnostizierte bei Moses COPD (keine Fibrose wie die Klinik vor 8 Jahren) und damit beschäftigen wir uns seither auch recht intensiv. Ich bekam ein Inhalationsgerät von der lieben Kerstin Kremser, das war bei ihr arbeitslos geworden, und dafür bin ich sooo dankbar! Es hilft ihm sehr! Anfangs mochte Moses das inhalieren gar nicht und er wollte das Ding los werden und ich glaube es wurde ihm auch schwindlig. Mittlerweile toleriert er es ganz gut.

Nächstes Thema: Übergewicht. Während die anderen Esel in diesem Stall super aussehen und gut klar kommen mit der Fütterung. Meine nicht. Vor allem Maya nicht. Die haut sich den Bauch voll und es wurde auch nicht besser mit der Zeit. Mittlerweile sind sie nur noch einen halben Tag in der Herde und sonst separat daneben mit nassem Heu und Fresspausen und etwas Stroh aus einem Netz und Einstreu aus aufgeweichten Holzpellets. Einen Teil ihres Futters bekommen sie als aufgeweichten Heupellets, das hilft Moses auch. Eine ganz spezielle Herausforderung. Ich bin gaaar nicht gut darin, Tiere auf Diät zu halten. Ich kann deutlich besser aufpäppeln.

Moses hat die Eigenart, wenn er unterwegs aufgeregt ist, irgendwo reinbeissen zu wollen. Am liebsten in Maya, Menschen beissen ginge für ihn auch. Aber für mich nicht! Wir haben uns geeinigt auf: Du darfst den Strick im Maul tragen oder auch auf dem Gertenknauf herumbeissen. Einmal hat er meinen Daumen erwischt und das war sehr schmerzhaft, über Wochen. Moses lässt sich aber von mühsamer Atmung nicht bremsen, er ist eine regelrechte Düse, schreitet aus und mag auch sehr gerne traben.

Maya dagegen mag nicht gehetzt werden und es hat ca. 6 Monate gedauert bis sie zum ersten Mal am Strick ein Stücklein mitgetrabt ist.

Seit Anjas Tod kann ich nicht mehr einzeln spazierengehen –  das Drama ist sonst sehr laut und Moses hat auch schon Elektrozäune flachgewalzt um hinterherzukommen.

Aber wir haben uns gefunden, es ist nicht so, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht habe, es ist viel komplizierter und gleichzeitig viel schöner.

Maya ist meine Herzdame. Dieser Schreihals.

Maya und ich

Im Dezember hat sie gezeigt was alles in ihr steckt. Es ging um eine Zahnbehandlung. Und da kamen drei Frauen (die Tierärztin, ihre Assistentin und ich) mit Maya an unsere Grenze. Sedieren war nicht möglich. Maya muss das schon oft geübt haben, die Tierärztin sagte, dass Maya es sogar fertigbringen, eine Nadel aktiv wieder aus der Vene rauszuschieben in dem sie die richtigen Halsmuskeln anspannt.

Dreimal gab es „Frau weht wie ein Fähnchen hinter schwarzem Esel her über den ganzen Platz“, die Handwerker die gerade am arbeiten waren, waren sehr amüsiert. Immerhin konnte ich sie wieder einfangen. Wir haben dann abgebrochen – Emeraude und Moses hatten sich vorbildlich verhalten und bei Maya ist es zwar nicht dringend dringend, aber ein paar Spitzen an den Zähnen hat sie schon. So ein wehrhaftes Eselchen. Mit vollem Körpereinsatz hat sie alles gegeben und doch nie gebissen oder geschlagen. Das hat mich beeindruckt.  

Nun haben wir das Projekt Medical Training begonnen – es finden zwar fast alle, das sei doch eh sinnlos, wenn der Tierarzt komme, sei doch dann das ganze Training wieder vergessen, aber ich mag es versuchen. Mal sehen. Ich werde dann berichten. Im Moment sind wir noch dabei, das Kooperationssignal zu lernen. Erst mal als Lernziel.

Maya findet’s natürlich super, weil es gibt viele Leckerli – es sind Heucobs ohne was drin, die auch trocken gefressen werden dürfen. Wie gesagt Diät…

Auf meinen Spaziergängen gehe ich auch gern durchs Dorf und mir ist aufgefallen, dass viele ältere Menschen begeistert auf die Esel reagieren. Sie kommen ans Fenster, winken aus den Autos und strahlen übers ganze Gesicht.

Das hat mich auf die Idee gebracht, Eselbesuche für Senioren – mit Familie – anzubieten.

So nach dem Motto: Wir führen heute Oma zum Essen aus, lass uns doch vorher noch einen Besuch bei Maya und Moses machen. Das geht auch mit Gehhilfen oder Rollstuhl, mit oder ohne kleine Spaziergang.

Bei Interesse melde Dich einfach direkt per Mail (auf dieses Mail antworten) oder per Telefon 079 771 59 37.

Wir freuen uns, wenn wir Freude machen können.

Für das Medical Training führe ich mir gerade den Kurs von Stine Küster nochmals zu Gemüte. So viele wertvolle Details sind da drin.

Mehr zu diesem Kurs der gerade der Kurs des Monats ist und den es deshalb zum halben Preis gibt kannst Du hier erfahren: https://herzenssachepferd.ch/medical-training/

Fähigkeiten

Gepostet am

15. Januar 2023