Wut, Angst, Frustration – Emotionen im Umgang mit Pferden

Dies ist ein Gastartikel von Cornelia Schade. Entstanden ist er als Reaktion auf einen Austausch in der SonnenPferd Connection, dem Lern-Forum für ein neues Miteinander in der Pferdewelt. 

Emotionen bei der Arbeit mit Pferden

Gerade im Umgang mit Pferden ist es ein sehr wichtiges Thema, wie wir mit unseren Emotionen umgehen. Da geht es vor allem um die negativen Emotionen wie Angst und Wut. Häufig werden wir von Emotionen überrollt, sie kommen in uns hoch und übernehmen die Kontrolle. Bei positiven Emotionen wie Freude ist dies nicht schlimm. Im Gegenteil. Die Begeisterung überträgt sich auf unser Pferd und schafft Motivation und Verbindung. Aber Emotionen wie Angst und Wut stören die Arbeit. Wie können wir also damit umgehen?

Emotionen haben ihre Berechtigung

Zunächst einmal sollten wir uns Folgendes klar machen: Emotionen sind uns angeboren und haben eine wichtige biologische Funktion. Angst, Wut, Ekel, Freude bestimmen unser Zusammenleben und sorgen dafür, dass wir uns nicht in Gefahr bringen. Es ist überlebenswichtig, dass wir sofort auf eine Emotion reagieren, daher werden wir von ihnen so übermannt. Jede Emotion hat also ihre Berechtigung und durchaus eine positive Absicht. Dennoch stören sie uns oft, denn wir leben heute in einer Welt, in der wir unsere Emotionen zurückhalten müssen. Wir schlucken daher Ärger herunter oder schieben Angst zur Seite. Damit sind sie aber nicht wirklich weg, ihre Energie steckt immer noch in uns.

Pferde sind Energieleser

 

Jede Energie wird vom Pferd aufgenommen und übernommen, es reagiert darauf und spiegelt sie in seinem Verhalten wider. In der therapeutischen Arbeit und im Persönlichkeitstraining machen wir uns genau das zunutze. Aber wenn wir mit dem Pferd arbeiten möchten, uns etwas vorgenommen haben, ein Ziel verfolgen, dann wird durch dieses Spiegeln unserer Emotionen die Arbeit gestört, wenn es sich um Wut oder eine starke Angst handelt. Eine Kommunikation, so wie wir sie uns eigentlich wünschen, ist dann nicht mehr möglich. Denn dann starten wir im Fluchttier Pferd das Alarmprogramm. Wir müssen also einen Weg finden, wie wir mit negativen Emotionen so umgehen, dass sie nicht einfach nur zur Seite geschoben werden.

Voraussetzung für die Arbeit mit Pferden

Bevor wir überhaupt mit dem Pferd arbeiten, sollten wir also schon dafür sorgen, dass unsere nicht verarbeiteten Emotionen aus vorangegangen Situationen nicht die Arbeit beeinflussen können, indem wir uns mit ihnen auseinandersetzen. Dazu hier mal eine Möglichkeit, wie dies geschehen könnte:

  1. Achtsamkeit

Wir müssen lernen, bewusst wahrzunehmen, wenn eine Emotion in uns aufsteigt und in uns steckengeblieben ist. Dazu braucht es Achtsamkeit und ein in mich Hineinhören. Wir können uns vor der Begegnung mit dem Pferd eine kleine Pause gönnen, tief durchatmen, hineinspüren und fühlen, ob etwas hochkommt. Achtsam sein mit mir und dem Pferd sind für mich die Grundvoraussetzung für eine gute Verbindung und Beziehung zum Pferd.

  1. Anerkennen, was ist

Der zweite Schritt ist, diese Emotion als das zu erkennen, was sie ist. Sie ist eine Reaktion auf etwas, was passiert ist. Wir müssen herausfinden, welche Emotion überwiegt und wo sie herkommt. Wenn wir nun wissen, was da gerade warum in uns tobt, können wir diese Emotion annehmen und ihre positive Absicht würdigen. In den meisten Fällen möchten uns Emotionen schützen und vor etwas bewahren. Wenn wir dies anerkennen und würdigen, kämpfen wir nicht mehr gegen sie an, und wir können dann überlegen, ob wir diesen Schutz brauchen oder nicht. Können wir anders dafür sorgen? Ist unser biologisches Programm hier wirklich richtig eingeschaltet? Wenn ja, müssen wir natürlich gucken, wie wir weiter damit umgehen.

  1. Emotion einen ihren Raum geben oder ziehen lassen

Wenn wir merken, dass die Emotion eigentlich an eine andere Stelle gehört und eigentlich nichts mit dem Pferd zu tun hat, sollten wir gucken, ob das ein Thema ist, mit dem wir uns zu einer anderen Zeit beschäftigen sollten. Dann ist es hilfreich, sich einen festen Zeitpunkt vorzunehmen, am besten auch zu visualisieren, wie wir es uns z.B. auf der Couch gemütlich machen mit Zettel und Stift, eine Freundin anrufen, um mit ihr darüber zu reden etc.. Die verbleibenden Reste der Emotionen können wir jetzt verabschieden, indem wir uns bei der Emotion für die positive Absicht bedanken und sie ziehen lassen. Hierfür sind ebenfalls Bilder sehr hilfreich. Wenn wir uns visualisieren, wie wir die Emotion gehen lassen, kann unser Geist sie viel leichter loslassen. Vielleicht setzen wir sie in ein Papierboot und lassen dies auf einem Bach davonschwimmen? Oder sie schwebt mit einem Gasluftballon davon?

  1. Zurück im Hier und Jetzt

So befreit können wir nun an das Pferd herangehen. Wir können wieder zurück kommen in das Hier und Jetzt und für das Pferd da sein als Partner und bewusster Führer. Das Pferd wird uns zeigen, ob wir es wirklich geschafft haben, die Emotion ziehen zu lassen. Sehen wir an den Reaktionen des Pferdes, dass da immer noch was in unserer Verbindung nicht stimmt, dann sollten wir die Arbeit lieber beenden und an einem anderen Tag fortsetzen. Und das bitte ohne Frust, denn wir dürfen auch mit uns selbst wertschätzend umgehen.

Wir sind fühlende Wesen, und das Pferd erlaubt uns, genau das zu sein, was wir in unserer strukturierten, funktionierenden Welt nicht mehr sein können. Und vielleicht können wir sogar dankbar erkennen, welchen Gefallen uns das Pferd gerade getan hat, denn es hat uns unser Innerstes gezeigt und damit die Möglichkeit gegeben, innerlich zu heilen und zu wachsen.

Emotionen während der Arbeit

Wenn wir schon in der Arbeit mit dem Pferd sind und Emotionen hochkommen, können wir genau so wie oben vorgehen. Dabei sollten wir uns fragen, ob diese Emotion wirklich etwas mit dem Pferd zu tun hat oder das Pferd nur Auslöser war. Wenn das Pferd nicht das gewünschte Verhalten zeigt, wir uns sicher sind, dass es dies könnte (weil es uns verstanden hat und mental, physisch und emotional in der Lage dazu ist), und wir deshalb wütend werden, können wir uns fragen, was daran uns genau wütend macht. Angst vor Kontrollverlust? Ist es tatsächlich gerade gefährlich? Was könnte ich tun?

Oder werde ich wütend weil ich mich nicht respektiert fühle vom Pferd? Ist das wirklich so? 

Hier zeigt uns vielleicht das Pferd, dass noch etwas Altes in uns feststeckt.

 

Negative Energie verwandeln

In manchen Fällen, besonders, wenn es um das Thema Respekt vor den eigenen Grenzen geht, können wir die Energie der aufsteigende Wut auch nutzen. Hierbei ist wieder wichtig, die Wut erst bewusst wahrzunehmen und dann in etwas Positives zu verwandeln. Ich kann diese Energie nutzen, um meinen persönlichen Raum besser mit Energie zu füllen und somit dem Pferd meine Grenze besser zu verdeutlichen. Dabei sollte die Energie aber immer für mich, für meinen Raum und nicht gegen das Pferd gewendet werden.

Je öfter wir uns so mit uns selbst auseinandersetzen, umso besser wird es uns gelingen, Emotionen achtsam wahrzunehmen und zu verarbeiten. Und dann kann es passieren, dass wir, wenn wir ganz bei uns sind und auch negative Emotionen akzeptieren, ein Pferd neben uns finden, dass uns auffängt und Nähe schenkt, gerade in solchen Momenten. Denn das können sie auch, die Pferde. 😊

 

Cornelia Schade, Februar 2018

 

https://mit-tieren-lernen.jimdo.com/

 

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