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Korrekte Linienführung: Erste Meilensteine in der Pferdeausbildung und Grundlage für eine spätere Versammlung

Ich liebe das Reiten und ich liebe es, Pferde auszubilden. Mit Graus sehe ich allerdings die vielen Bilder und Videos, in denen Pferde nur noch durch Kraft & Kontrolle geritten werden. Seit Jahren befinde ich mich auf einer stetigen Reise, meine Pferde so auszubilden, dass sie ohne Kraftreiterei in ihre Kraft und Balance finden.

Philippe Karl schrieb in seinem Buch zur Reitkunst:

„Es kostet sehr viel mehr Sorgfalt nach Nichtstun auszusehen, als nach Abrackern“.

Kraft und Balance des Pferdes finde ich in der zunehmenden Versammlung. Diese erreiche ich jedoch nicht, indem ich vorne mehr halte um damit das Gewicht nach hinten zu verlagern. Lese ich über diesen Ansatz oder sehe dabei zu, stellt sich mir unweigerlich die Frage: „Wie kann es sein, dass Reiten so noch Spaß macht?“

Die Versammlung ist eine Grundvoraussetzung , um Pferde bis ins hohe Alter gesund zu erhalten. Für eine korrekte Versammlung benötigt der Reiter keine Kraft. Er muss das Pferd nicht halten. Ein korrekt versammeltes Pferd trögt sich selbst und glänzt vor Stolz und Schönheit in seinem leicht und kraftvoll wirkenden Gang.

„Versammlung ist eine natürliche Haltungs- und Bewegungsmöglichkeit des Pferdes, die für die Nutzung als Reittier durch systematische Ausbildung für den Reiter abrufbar und über einen längeren Zeitraum mit dem Reitergewicht durchhaltbar gemacht werden muss. Das Pferd zeigt dabei ausdrucksvolle, erhabene Bewegungen, die federnd und geschmeidig Leichtigkeit enthalten und bei voll entwickelter Balance Veränderungen in Richtung und Tempo jederzeit und unmittelbar ermöglichen. Sie ist nur dann erreicht, wenn die Schulung des Körpers, ihr volles natürliches Potenzial entfaltet hat und diese nicht gewaltsam in eine unnatürliche Übertreibung der Bewegungs- und Haltungsmöglichkeiten geführt wurde.“ (Sonja Weber in Versammlung für gesunde Pferde und Reiten in Leichtigkeit)

Ein erster Meilenstein in Richtung Versammlung und Geraderichtung ist daher das korrekte Reiten von Linien. Selbst eine gerade Linie gibt uns Aufschluss über die Geraderichtung des Pferdes.  Da die Pferdeschulter schmaler als das Becken ist, muss die Pferdeschulter für die funktionale Geraderichtung mittig auf das Becken ausgerichtet werden. In der Realität  wird das Pferd eher dazu neigen  die Vorderbeine auf die Spur des gleichseitigen Hinterbeins zu bringen.  Reitet man z.B. auf einem Hufschlag, wird sich das Pferd meistens mit der Schulter an der Bande anlehnen, sodass der äußere Vorderhuf den gleichen Abstand zur Bande hat, wie der äußere Hinterhuf. Hier wäre das Pferd nicht geradegerichtet, sondern schief. Häufig sind wir uns dem als Reiter aber nicht bewusst.   

Ist der Pferdekörper nicht korrekt auf die zu reitende Linie ausgerichtet und biegt sich die Wirbelsäule nicht seitlich, kann das gemeinsame Gewicht von Pferd und Reiter, und die halbe Parade die Hinterbeine nicht erreichen und somit nicht auf die Beugung einwirken. (Thomas Ritter)

Es ist also ein erster essenzieller Schritt zu Beginn an der korrekten Linienführung zu arbeiten und Ausgleichbewegungen hier möglichst frühzeitig versuchen zu verhindern.

Verständlicher wird es auch, wenn man sich zusätzlich noch mit der Wirbelsäulenrotation auseinandersetzt. Hier ein Zitat von Sonja Weber:

Jede Längsbiegung des Pferdes ist mit einer einseitigen Rotation der Wirbelsäule verknüpft. Gleichzeitig rotieren die Dornfortsätze bei jedem Schritt […] Das bedeutet, dass es sich bei der einseitigen Rotation immer nur um einen Durchschnitt, nie um eine statische Position handelt. Korrekte oder transversale (in der Längsrichtung verlaufende) Rotation in der Längsbiegung bedeutet, dass sich die Dornfortsätze der Wirbel selbst durchschnittlich in die Richtung der Biegung neigen.

Im Gegensatz dazu gibt es eine Gegenläufige Rotation, bei der der Umkehrpunkt am Übergang Hals/ Brustwirbelsäule liegt. In dieser rotieren die Wirbel oben im Hals nach innen und im Brustbereich nach außen. Der Hals/ Brustbereich kann dadurch nicht reell angehoben werden. […]

Spüren kann der Reiter die gegenläufige Rotation, in dem er darauf achtet, wo er genau hingesetzt wird. Wird man vermehrt nach außen gesetzt spricht man von einer gegenläufigen Rotation.

Wir müssen also verstehen und spüren, was im Pferdekörper stattfindet. Je mehr man sich bemüht, korrekte Linien zu reiten, umso klarer ersichtlich werden die schwachen Stellen. Auf einmal stellt man fest, wie schwankend ein Geradeaus  sein kann. Erst durch die klare Analyse des Pferdekörpers, können wir im Training daran arbeiten durch gezielte Übungen die Rotationen zu verändern. Immer wenn ein dies gelingt, stellt man fest, wie leicht die Pferde werden. Sie beginnen angenehm am Gebiss zu kauen und bemerkt, wie Bewegungen ganz anders durch den Körper durchschwingen können. Am wichtigsten dafür ist es, wirklich zu begreifen, dass man das Pferd nicht im Hals überstellt und dadurch selbst für eine falsche Rotation verantwortlich ist. Es bleibt mal wieder : Mehr Reiten,  mehr fühlen, mehr denken und weniger (fehlerhafte) Manipulation mit der Hand .

Dieses Hineinfühlen und Vertehen kannst du für dich falls du magst vertiefen.

Mera Brockhage geht auf das Zusammenwirken von Reitersitz und Pferd in ihrem brandneuen betreuten Online-Kurs ein. Hier kannst du mehr erfahren: https://herzenssachepferd.ch/der-reitersitz-formt-das-pferd/

Viel Freude und Inspiration – auch deinem Pferd, wünschen Antoinette und Mera von Herzenssache Pferd.

Fähigkeiten

Gepostet am

16. August 2020